Undank ist der Welten Lohn! ...

November 10, 2016

Nachricht

Lieber Her Fleury

Anlässlich Ihres Auftritts im "Bird's Eye" habe ich Ihnen eine CD-Raritätskopie von Milt Buckner's LP "Live at the Popcorn" überreicht. Inkl. Visitenkarte.

 

Ich weiss, von der heutigen Generation kann man kein Danke mehr erwarten - aber - auch von Ihnen habe ich bis heute nichts gehört.

Das tut mir weh, ehrlich!

 

Trotzdem telefonischer Kontakt erwünscht.

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Meine Antwort:

Betreff: "Undank ist der Welten Lohn"

 

Sehr geehrter Herr ........

 

ich nehme mir die Zeit und werde versuchen, Ihnen mit derselben Offenheit zu antworten, die Sie in Ihrer Mail an den Tag legen! 

 

Ihre tadeligen Worte zeigen einmal mehr exemplarisch auf, dass aus einer einseitigen Erwartungshaltung Enttäuschung, Frust und gar Schmerz resultieren können. Dies mögen Sie als Betroffener schlucken oder - wie im aktuellen Fall - Ihrem Gegenüber offen kundtun. Recht so, dass Sie sich diesen Frust von der Seele schreiben... ich werde Ihnen gebührend antworten.

 

Ihre Anschuldigung betreffend mangelnder Dankbarkeit möchte ich entschieden zurückweisen: Ich habe mich bei der Überreichung der Milt Buckner-CD und dem kurzen Gespräch mit Ihnen gebührend und ausreichend bedankt. Es befremdet mich daher, dass Sie meine Umgangsformen auf die Stufe der Ihrer Meinung nach danklosen heutigen Generation herabstellen! Ihre geforderten Benimm-Regeln sollten Sie sich - wenn überhaupt- für Grünschnäbel und verkrachte Existenzen aufheben. 

 

Dass Ihnen mein Desinteresse für Milt Buckner weh tut, muss somit ursächlich andere Ursache haben; Sie scheinen ein bedingungsloser Fan des Buckner'schen Orgelspiels zu sein, und wünschen sich somit unbewusst, dass alle in das Thema Jazzorgel involvierten Personen automatisch Ihre Begeisterung für diesen Musiker uneingeschränkt teilen mögen. 

 

Und da komme ich auf die eingangs erwähnte einseitige bzw. unterschiedliche Erwartungshaltung zurück: Die Begegnung mit Ihnen hat mich an jenem Abend gefreut und gleichzeitig doch befremdet: Da sitze ich am Schluss meines Konzertes erschöpft und doch völlig glücklich und "musiktrunken" über die gelungene Performance im engen Freundeskreis. Alle Dialoge drehen sich um das Konzert; überall Begeisterung und Komplimente (die so gut tun!)  - und wie aus heiterem Himmel platzen Sie in unsere private Runde und bieten mir als unbekannte Person ohne lange Umschweife und keinerlei Worte über den Abend eine CD Ihres Lieblingsorganisten an. Muss ich an dieser Stelle meine innere Verfassung weiter ausführen? Wohl kaum, aber um Ihre Worte zu gebrauchen: Auch so was tut mir weh, ehrlich!

 

Die CD-Kopie habe ich mir aufmerksam angehört und bin - wie von jeher - angetan von Milt Buckners Akkord-Blockspiel. Sein Basspedal spielt wohl eher eine untergeordnete Rolle, und der Musikstil ist natürlich auch old fashioned. Dass ich u.a. zeitgemässeres Orgelspiel vorziehe, dürfte Ihnen im Bird's Eye sicherlich nicht entgangen sein. Die von Ihnen erhaltene CD gehört jedoch ohne Frage zu meinen Preziosen.

 

Freundliche Grüsse

 

George Fleury

Musikdozent

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